Herbst-Brief 2009: Coaching und Gesundheit

Willkommen zum Herbst-Brief der CoachingWiese!
„Wie sieht die Zukunft des Coachings aus?“ Diese spannende Frage hat die CoachingWiese diesen Sommer diskutiert. Auf dem Zukunftskongress des metaforum international in Abano (Italien) haben wir gemeinsam mit Teilnehmenden interessante und zum Teil überraschende Zukunftsszenarien zur Entwicklung des Coachings entworfen. Auf unserer Seite ZUKUNFTSFORUM können Sie die Thesen nachlesen.
Eine These ist, dass das Thema Gesundheit in den nächsten Jahren immer wichtiger wird - auch im Coaching. Dies wird von einer aktuellen Studie der International Coaching Federation (ICF) bestätigt, wonach Life-Coaching derzeit mit großem Abstand (58%) das von Kund/innen meist nachgefragte Coachingthema ist. Daher hat die CoachingWiese Expert/innen gefragt: „Welche Bedeutung wird dem Thema Gesundheit im Kontext von Arbeit in den kommenden Jahren zukommen?“ Wir haben folgende spannende Antworten erhalten:

1. „Das Thema Gesundheit gehört unbestritten zu den Kernthemen des 21. Jahrhunderts“, sagt Dr. AndreasTautz, Chief Medical Officer, Deutsche Post DHL.
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2. „Work-Life-Balance Konflikte nehmen immer mehr zu“, beobachtet die Zukunftsexpertin Jeanette Huber vom Zukunftsinstitut.
Mehr über Zukunftstrends beim Thema Work-Life-Balance >>>

3. „Zwischen Sinnhaftigkeit und seelischer Gesundheit und damit auch dauerhaftem beruflichem Erfolg gibt es deutliche Zusammenhänge,“ betont Dr. Christoph Schmidt-Lellek, Mitbegründer des Konzeptes Life-Coaching.
Mehr zum Konzept Life-Coaching >>>

Kommen Sie gesund durch den Herbst! Beste Grüße

Susanne Schönborn

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P.S.: Wenn Sie den Brief interessant finden, geben Sie ihn doch bitte an Ihre Kolleg/innen weiter. Wenn Sie Verbesserungsvorschläge haben, dann lassen Sie mich das wissen, damit der Winter-Brief zum Thema „Visionen“ am 21. Dezember 2009 Ihr Interesse findet.
Wenn Sie den Brief nicht mehr erhalten wollen, dann benutzen Sie bitte folgenden Link.

Gesundheitsmanagement

 „Das Thema Gesundheit gehört unbestritten zu den Kernthemen des 21. Jahrhunderts.“

Interview mit Dr. Andreas Tautz, Chief Medical Officer, Abt. Gesundheitsmanagement, Deutsche Post DHL

Das Gesundheitsmanagement der Deutschen Post DHL ist in den letzten Jahren mehrfach ausgezeichnet worden, u.a. 2008 mit dem „Deutschen Unternehmenspreis Gesundheit“ für vorbildliches Gesundheitsmanagement. Welche Bedeutung hat das Gesundheitsmanagement bei der Deutschen Post DHL jetzt und in 2010?

Tautz: Als eines der größten Dienstleistungsunternehmen der Welt ist es für uns auch eine ökonomische Notwendigkeit, in die Gesundheit aller unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu investieren - Gesundheit ist ein Schlüsselelement für nachhaltige Produktivität und Qualität unserer Dienstleistungen. Und Gesundheitsmanagement ist eine herausragende Führungsaufgabe. Aufgabe unserer Führungskräfte ist es, eine Atmosphäre gegenseitiger Wertschätzung und offener Kommunikation zu schaffen und für ein sicheres und gesundheitsförderliches Arbeitsumfeld Sorge zu tragen. Es ist die Aufgabe unserer Gesundheitsexperten, die Führungskräfte dabei zu unterstützen und zu beraten.

Wie definieren Sie Gesundheit?

Tautz: Wir verstehen Gesundheit als einen Zustand umfassenden körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur als Abwesenheit von Krankheit. Gesundheit beinhaltet die Fähigkeit, ein wirtschaftlich und sozial aktives Leben zu führen. Arbeit kann in diesem Sinne eine wesentliche Quelle für Zufriedenheit und damit auch für Gesundheit sein.

Wie sensibilisiert die Deutsche Post DHL ihre Führungskräfte und Mitarbeiter/innen für das Thema Gesundheit und Arbeit?

Tautz: Gegenseitige Wertschätzung, Respekt als Voraussetzung für Resultate sind Kernelemente unserer Unternehmensstrategie. Mit Maßnahmen der Prävention inklusive der Gesundheitsförderung wollen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu einer gesundheitsbewussten Lebensweise ermutigen.

Was sind weitere wichtige Maßnahmen des Gesundheitsmanagement bei der Deutschen Post DHL?

Tautz: Unsere wesentlichen Maßnahmen sind u.a.: Screening von für das Unternehmen relevanten Gesundheitsrisiken und Identifizierung von Handlungsfeldern, z.B. Prävention chronischer bzw. psychischer Erkrankungen, Vorbereitung auf pandemische / epidemische Erkrankungen (Influenzapandemie, HIV/AIDS, Malaria, TBC).
Wir koordinieren und erweitern ständig eine konzernweite Best-Practice-Plattform von Gesundheitsfördermaßnahmen in enger Kooperation mit den Unternehmensbereichen. Und wir beziehen unsere Lieferanten und Subunternehmer in das Gesundheitsmanagement mit ein. Durch die Erstellung eines jährlichen Gesundheitsberichts mit spezifischen Informationen für die Unternehmensbereiche, Regionen und Länder entwickeln und verbessern wie unser Gesundheitsmanagement.

Nutzen Sie Coaching, um ihre Führungskräfte und Mitarbeiter/innen in dem Thema Gesundheit und Arbeit zu unterstützen?

Tautz: Coaching ist, wie in anderen Bereichen des Konzerns, ein im Rahmen des Gesundheitsmanagements bei Deutsche Post DHL häufig eingesetztes Verfahren, um beim Thema Gesundheit und Arbeit zu unterstützen. Zielgruppenorientierte Ansätze finden großen Anklang. Insbesondere Coachinginterventionen zum Zeit- und Ressourcenmanagement werden gerne in Anspruch genommen.

Wie schätzen Sie generell die zukünftige Bedeutung des Themas Gesundheit und Arbeit für Unternehmen ein? Teilen Sie beispielsweise die Einschätzung, dass betriebliches Gesundheitsmanagement künftig ein immer wichtiger werdender Wettbewerbsfaktor wird?

Tautz: Das Thema Gesundheit gehört unbestritten zu den Kernthemen des 21. Jahrhunderts. Wer sich gesund fühlt, ist leistungsfähig, kann innovativ sein und kreativ Wert schöpfen. Der Erfolg unseres Unternehmens basiert im Wesentlichen auf dem Engagement unserer Beschäftigten – im globalen Wettstreit um Märkte und Kunden sind leistungsfähige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deshalb der entscheidende Faktor.
Ein Gesundheitsmanagement, das sich dabei aber nur auf so genannte arbeitsbedingte Erkrankungen sowie die Reduzierung der Abwesenheitsquoten konzentriert, greift zu kurz. Gesundheitsvorsorge und -fürsorge sind nur unter einem ganzheitlichen Ansatz wirksam – ihr Grundstein ist ein wertschätzendes Miteinander. Mit dem Engagement aller Beteiligten am Gesundheitsmanagement, wollen wir weltweit für ein gesundes Leben werben und über unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch deren Familien erreichen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Work-Life-Balance

Wie die Krise für mehr Balance sorgt
und wie das die neuen Männer
in eine Krise stürzt

Zukunftstrends zum Thema Work-Life-Balance
von der Zukunftsexpertin Jeanette Huber (Zukunftsinstitut)

Jobs sind wie Ehen
Die Krise führt uns in aller Deutlichkeit vor Augen, was wir eigentlich längst wissen sollten: dass im 21. Jahrhundert Jobs genauso so wenig dauerhaft sind wie Ehen und dass wir uns auf ein Arbeitsleben mit Brüchen einstellen müssen. Und wer gut ausgebildet ist, der weiß, so eine Arbeitsbiographie kann auch Spaß machen, denn sie bedeutet eine Abkehr von lebenslanger Routine und Langeweile.

Unternehmen sind keine „Vaterfiguren“ mehr
Die Krise wirft aber auch ein neues Licht auf die Rolle der Unternehmen. Die Zeiten patriarchalischer Unternehmenslenker, die sich ihrer Mitarbeiter fürsorglich annahmen, sind vorbei - mittelständische Ausnahmen bestätigen die Regel. Auch das hat sein Gutes, denn inzwischen ist das Mindesthaltbarkeitsdatum von „Pflichtbewusstsein“ und „Fleiß“, den Werten des Industriezeitalters längst überschritten.

Zwischen Familie und Selbstverwirklichung
Wenn die äußeren Ordnungssysteme wanken, schafft sich der moderne individuelle Lebensgestalter seine eigenen Zielkategorien des Wohlergehens. Menschen nehmen sich Zeit für sich selbst, gehen achtsamer mit ihrer körperlichen und vor allem seelischen Gesundheit um. Authentizität und Selbstverwirklichung stehen hoch im Kurs. Parallel dazu erleben wir seit geraumer Zeit eine Renaissance von Familie und Freundschaft - bei Frauen und Männern.

Die neuen Mütter sind Väter
Das führt zu Konflikten am Arbeitsplatz, denn insbesondere junge Väter haben angefangen, sich von der traditionellen Rolle des Familien-Versorgers zu verabschieden. Einer Studie des Bundesfamilienministeriums zufolge, sieht sich nur noch ein Drittel der Väter in der klassischen Rolle des „Breadwinners“, zwei Drittel hingegen verstehen sich als „Erzieher ihrer Kinder“. Und von diesen neuen Vätern, wir nennen sie „Super Daddies“, erfahren wir jetzt, was wir von arbeitenden Müttern schon lange wissen: die Balance zwischen Familie, Job und den eigenen Bedürfnissen wird immer schwieriger. Eine amerikanische Studie des Instituts für Familie und Arbeit hat festgestellt, dass Work-Life-Balance Konflikte bei Männern in der Zeitspanne von 1977 bis 2008 von 35% auf 59% zugenommen haben, bei Frauen fiel der Anstieg von 41% auf 45% dagegen deutlich geringer aus. Das Ergebnis sind Stress, ungesunde Ernährung im Vorbeigehen, weder Zeit für Bewegung noch für Entspannung.

Adieu Präsenzkultur
Für Unternehmen macht das ein Umsteuern erforderlich: mit 60-Stunden-Wochen, Wochenendarbeit und einer Präsenzkultur (Wessen Licht brennt abends am längsten?) sind die Top Talente in der Familienphase, seien es Frauen oder Männer, in Zukunft nicht mehr zu gewinnen. Für Coaches bedeutet das, die neue Work-Life-Balance Zielgruppe sind die Super Daddies.

Jeanette Huber (Geschäftsleitung Zukunftsinstitut) ist Consultant und Business Speaker u.a. zu den Themen: Gesundheit/LOHAS und Megatrends/Innovation.

Kontakt mit Jeanette Huber:

<< Gesundheitsmanagement         Life-Coaching >>

 

Konzept Life-Coaching

„Zwischen Sinnhaftigkeit und seelischer Gesundheit und damit auch dauerhaftem beruflichem Erfolg
gibt es deutliche Zusammenhänge“

Life-Coaching als Anleitung zur Selbstsorge
von Dr. Christoph Schmidt-Lellek.

Die Perspektive „Life-Coaching“, wie ich es zusammen mit Ferdinand Buer konzipiert habe, ist nicht als Alternative zum Business-Coaching zu verstehen, sondern als Vertiefung bzw. Ausweitung des Horizonts. Eine Ausweitung mit einer doppelten Richtung: (1) Als horizontale Ausweitung: Life-Coaching richtet sich auf den gesamten Lebenszusammenhang eines Menschen.
(2) Als vertikale Ausweitung: Life-Coaching richtet sich auf den ganzen Menschen in allen seinen Dimensionen. Nicht allein beruflicher Erfolg, Effektivität und Effizienz seiner Arbeit, sondern auch die emotionalen Aspekte, wie die berufliche Arbeit erlebt wird spielen im Life-Coaching eine Rolle.

Wie kann durch berufliche Arbeit Sinn, Glück und Verantwortung erlebt werden? Welche Bedingungen können damit für ein gelingendes Leben gefunden oder geschaffen werden?
Der Life-Coach geht diesen Fragen nach und bietet damit eine Anleitung zur Selbstsorge – also zu einem reflektierten und achtsamen Umgang mit sich selbst in allen zentralen Lebensdimensionen! Eine gelingende Sorge um sich selbst ist eine Voraussetzung für eine gelingende Sorge für Andere und für Anderes: Selbstsorge und Fremdsorge, Selbstverantwortung und Fremdverantwortung stehen in einem Wechselverhältnis.

Die wichtigsten existenziellen Themen als Bezugsgrößen für ein gelingendes Leben insgesamt sind die Fragen nach Sinn, Glück und Verantwortung. Das Verständnis von Sinn und von Glück ist zwar subjektiv geprägt, aber es lassen sich allgemeine Aussagen machen, welche Bedingungen dafür förderlich sind.
So kann man im Anschluss an Reinhard Tausch davon ausgehen, dass es zwischen Sinnhaftigkeit und seelischer Gesundheit und damit auch dauerhaftem beruflichem Erfolg deutliche Zusammenhänge gibt. Nach Tausch sind vor allem vier Sinnfaktoren von Bedeutung:

  • Erfolg, Karriere, Beruf, Ziele, Wünsche, sich etwas leisten zu können.
  • Sinn im Bereich des eigenen Inneren (Selbstvertrauen, Selbstbestimmung, Gesundheit, Natur erleben u.a.).
  • Helfen, Verantwortung übernehmen, Sinnerfahrungen in Partnerschaft und Familie.
  • Religiöser/spiritueller/philosophischer Glaube, Vorbilder, Akzeptieren des Unabänderlichen, der Begrenztheit der Möglichkeit und der Lebenszeit u.a.

Auch die Frage nach dem Glück kann vor den jeweiligen individuellen Vorstellungen strukturiert angegangen werden. Glück umfasst sowohl das, was einem schicksalhaft widerfährt (Glück als „Zufall“), als auch das planende, gestaltende Handeln (Glück als Gelingen). Lebenskunst heißt demnach einerseits, schicksalhafte Widerfahrnisse anzunehmen, und andererseits, sich Bedingungen zu schaffen, die für ein glückhaftes Erleben förderlich sind. Martin Seel unterscheidet in seiner Philosophie des Glücks vier verschiedene Formen des Glücks:

  • Glück als Wunscherfüllung, d.h. sein Leben so einrichten zu können, dass das eintreten kann, was man sich wirklich langfristig wünscht.
  • Glück als Selbstbestimmung, d.h. einen Prozess selbstbestimmten Lebens in Gang zu setzen und in Gang zu halten, die Erfahrung der Gestaltbarkeit des Lebens nach eigenen Vorstellungen.
  • Glück als gelingende Welterschließung, d.h. auf die Herausforderungen durch die Welt angemessene Antworten geben zu können.
  • Glück als erfüllter Augenblick, d.h. offen zu sein für ungeplante, unbekannte Zustände, in denen das eigene Wünschen und Wollen auch transzendiert werden kann, sich also nicht an die eigene Lebenskonzeption fesseln zu lassen.

Selbstsorge zielt generell auf ein glückendes, gelingendes Leben. Dafür müssen einerseits äußere Bedingungen gegeben sein oder geschaffen werden, die überhaupt Glück erleben lassen (z.B. eine hinreichende Sicherung der existenziellen Gründbedürfnisse), und andererseits muss jeder Mensch für sich selbst Bedingungen schaffen, damit er Glück erleben kann, indem er sich nicht nur um einen vergnüglichen, sondern auch um einen maßvollen, verantwortungsvollen und sinnvollen Lebensstil bemüht. Außerdem gehört die Kraft dazu, auch schmerzliche Erfahrungen, Krankheit und sonstige Schicksalsschläge zu verarbeiten sowie eigene Schwächen, Schattenseiten und Widersprüche anzunehmen und mit ihnen verantwortlich umzugehen.

Sinn und Glück müssen jedoch im Zusammenhang stehen mit Verantwortung. Denn mein persönliches Glück ist gefährdet, wenn die Menschen, mit denen ich in näherer und fernerer Verbindung stehe, mein Glück nicht tolerieren können und wenn ich nicht auf die legitimen Glücksinteressen der anderen Rücksicht nehme. Der Horizont der Verantwortung wächst mit den Einflussmöglichkeiten des Handelnden, wie z.B. bei Verantwortungsträgern in Politik und Wirtschaft und in anderen Organisationen. Dies angesichts der globalen Interdependenzen und Vernetzungen überhaupt wahrnehmen und reflektieren zu können, verlangt besondere Freiräume, die z.B. ein Life-Coaching darstellen kann. Als Resümee lässt sich sagen: „Verantwortetes Glück macht Sinn.“

Dr. Christoph Schmidt-Lellek ist Psychotherapeut, Supervisor (DGSv) und Coach (DBVC), Herausgeber der Zeitschrift: Organisationsberatung, Supervision, Coaching (OSC). Zusammen mit Ferdinand Buer hat er das Konzept Life-Coaching entwickelt und ist Trainer bei der CoachingWiese.

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sagt Petra Schuseil, Lebenstempo Coaching, Frankfurt.

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